Menteroda

..Einheitsgemeinde Menteroda

Die Stiftung des Lehrers Hermann Hiese

Noch keine 20 Jahre ist es her, als gegenüber der Kirche von Menteroda, in einem schattigen Hain, das Kriegerdenkmal zu finden war. „FÜR UNS SIE STARBEN. VERGESSET ES NIE! 1914 - 1918“, lautete die Aufschrift auf dem hellen Stein.

Mitten hinein in den wirtschaftlichen Aufschwung Menterodas zu Beginn unseres Jahrhunderts kam die Nachricht: „Es ist Krieg!“. Der Kalischächte in Menteroda und Pöthen begannen, immer mehr Salz ans Tageslicht zu fördern, die Schachtanlagen wuchsen von Tag zu Tag. Beschäftigung für die Menschen in dieser immer so armen Gegend brachte erste Anzeichen für einen beginnenden Wohlstand, mehr und mehr Häuser wurden gebaut, eine neue Schule, Geschäfte erschienen. Dank den Kalischächten wurde seit 1913 sogar an der „Electricität“ gearbeitet - eine für die Dörfer der Gegend vollkommen phantastische Perspektive!

Am 1. August 1914 erklärte Deutschland Rußland den Krieg, am 27. November starb bereits der erste Menteröder - Musketier Karl Otto Sterzing, ehemaliger Mühlenarbeiter im Kaliwerk. Er wurde ganze 22 Jahre alt. Am 16. Dezember 1914 fand in der evangelischen Kirche zu Menteroda der erste Trauerfeier statt, für ihn und den ehemaligen Tischler Albin Otto Riemann, der inzwischen als zweiter Menteröder in Saint Lo in Frankreich gefallen war. Endlich, nach vier Jahren ist der Krieg zu Ende. Am 2. Oktober 1918 starb mit Fritz Bestehorn der 32. und letzte Menteröder im Ersten Weltkrieg.

Unter den Gefallenen findet man auch „Hermann Hiese, Lehrer“. Hermann Hiese war erst einige Jahre vorher nach Menteroda gekommen und fand hier seine erste Anstellung als Lehrer. Menteroda bot dem jungen Lehrer Hiese das Bild eines aufstrebenden Ortes. Dorf im bisher üblichen Sinne konnte man es schon nicht mehr nennen, seit die Kalischächte das Bild des Ortes zu prägen begannen. Stadt war er auch noch nicht, obwohl bereits einige imposante Neubauten das Bild des Ortes mitbestimmten.

Lehrer Hiese setzte ein Testament auf, bevor er in den Krieg zog. Darin verfügte er u.a., daß 2000 Mark für eine Schulstiftung bereitgestellt wurden. Von den Zinsen dieser Stiftung sollten für die Menteröder Kindern der ersten und zweiten Klasse jedes Jahr Rechenbuch und Fibel gekauft und ihnen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die besten Schüler der Menteröder Schule sollten jedes Jahr an Hieses Geburtstag, am 7. Januar, mit einem wertvollen Buch ausgezeichnet werden. Ferner bevollmächtigte er die Gemeindeverwaltung weitere 1 500 Mark als Grundstock oder Beitrag für ein Kriegerdenkmal in Menteroda zu verwenden. Dies war die finanzielle Grundlage für das Kriegerdenkmal in Menteroda. 

Über ein Jahr diente Lehrer Hermann Hiese aus Menteroda im Heer, bis er als Unteroffizier am 13. Dezember 1916, „nördlich der Höhe 103 an der Straße Mizil-Buzau“ fiel. Er wurde auf dem Friedhof in Buzau beerdigt.

Das Kriegerdenkmal unweit der Kirche erinnerte an ihn und 31 weitere im Ersten Weltkrieg gefallene Menteröder. Heute steht ein Bruchstein an dieser Stelle und versucht, das historische Denkmal zu ersetzen. Im Unterschied zu vielen anderen Gemeinden nicht nur in Thüringen, verfügt Menteroda auch über keinen Gedenkstein für die im Zweiten Weltkrieg Gefallenen. Auch hier sollte es keinen größeren Aufwand bedeuten, ihre Namen zu ermitteln und an sie in dieser Form zu erinnern.

Das war die letzte Episode aus Menterodas Geschichte. Die letzte? Vieles gäbe es noch zu berichten. Über Menteröder im Bauernkrieg zum Beispiel, oder über das Freigut. Über die „Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“ des Gemeinderates, als man 1842 Webstühle kaufte und der Bevölkerung zur Verfügung stellte. Oder über die vielen Auswanderer nach Amerika, die die gewebten Stoffe dann nicht verkaufen konnten. Und vieles liegt noch im Dunkeln, besonders die Zeit vor dem Bauernkrieg zurück bis zur Entstehung des Dorfes.

Viele Splitter aus der Geschichte Menterodas sind als Anekdoten oder in Märchen und Sagen erhalten geblieben, sie würden ganze Bücher füllen können.

zurück