Menteroda

..Einheitsgemeinde Menteroda

Achtzig Jahre Pfarrer Sterzing. Aus Menterodas Kirchengeschichte

Achtzig Jahre Pfarrer Sterzing? Sicher, dies ist ein ungewöhnlich langer Zeitraum für die Ausübung eines Amtes. Und wenn man überlegt, daß die Menschen in Menteroda unter äußerst ärmlichen Verhältnissen lebten und kaum älter als 50 oder bestenfalls 60 Jahre wurden, ist dieser Zeitraum selbst für zwei oder drei Amtsinhaber außergewöhnlich lang. Trotzdem - zwei Herren dieses Namens waren im Amt des evangelisch-lutherischen Pfarrers knapp 30 und fast 50 Jahre lang tätig. 

Der Pfarrer war die Respektsperson im Dorf schlechthin. Der Schultheiß und der Dorflehrer oder Schulmeister garantierten die bestehende Ordnung im Dorf. Taufen, Hochzeiten und der Tod waren die Ereignisse im Lebens, durch die und zu denen der Pfarrer die Menschen begleitete. Seit Herzog Ernst in Gotha regierte, wurden die Pfarrer durch das Oberkonsisto-rium, die oberste Kirchenbehörde im Herzogtum, eingesetzt. Sie hatten in der Regel Theologie studiert, viele der Menteröder Pfarrer an der Universität in Jena. Der Herzog wies ihnen ein festes Grundgehalt und Land zu, das sie für ihre Familien bearbeiten konnten. Taufen, Hochzeiten und auch Beerdigungen erlaubten ihnen, dieses Gehalt ein wenig aufzubessern. 

Die älteste momentan bekannte Nachricht aus Menterodas Kirchengeschichte stammt aus dem Jahre 1506. Von Berthelrode heißt es da, war lediglich die verfallene Kirche verblieben. Sie konnte nicht mehr genutzt werden. Bei schönem Wetter fand deshalb der Gottesdienst für Menteroda und Berthelrode unter einer Linde statt, an deren Äste der Pfarrer die Glocke hing. Bei schlechtem Wetter versammelte sich die Gemeinde im Haus eines reichen Bauern. 

Es mußten fast 50 Jahre vergehen, bevor man mit dem Bau einer neuen Kirche begann. 1551 soll der Bau einer neuen Kirche mit Turm aus Holz angefangen worden sein, 1562 wurde er mit Unterstützung des regierenden Herzogs Johann Friedrich dem Mittleren abgeschlossen. 1564 erhielt das Dorf mit seinen damals knapp 300 Einwohnern dann auch ein neues Pfarrhaus.

Nach Einführung der Reformation in Thüringen sind in Menteroda die Namen der evangelischen Pfarrer lückenlos bekannt. 1569 wurde mit Wipertus Hartenroda der erste Pfarrer in Menteroda genannt. 1576 tritt Georg Prätorius, auch Schultheiß genannt, das Pfarramt in Menteroda an. Bei seiner Amtseinführung in Menteroda, ereignete sich etwas Kurioses. Vor Einsetzung eines Pfarrers mußte der Kandidat in Anwesenheit des Amtmannes eine Probepredigt absolvieren. Danach wurde die Gemeinde befragt, ob sie mit dem Kandidaten einverstanden sei, und durfte ihn befragen. Nach der Probepredigt von Georg Prätorius schrieb die Gemeinde jedoch folgendes nach Gotha:

„Nachdem der vorige Pfarrer seine Predigten meistenteils aus Dr. Luthers Postill gelesen, Herr Georg aber die Probepredigt aus dem Kopfe gehalten, haben die Bauern, als sie ihr Votum gefragt worden, erinnert: Sie hätten bisher Gottes Wort gehabt, wie es im Buche stünde, rein und lauter. Der jetzige Herr aber hätte ihnen aus seinem Kopfe etwas vorgeschwätzet, was er selbst erdacht hätte. Sie bitten, man wolle sie bei dem Wort Gottes lassen und den neuen Pfarrer dahin halten, daß er ihnen Gottes Wort fein aus dem Buche predigte.“

Man konnte sich mit Pfarrer Prätorius alias Schultheiß nicht so richtig anfreunden. 1589 gab es erneut Klagen:

"... es sei Georg Schultheiß in Menteroda Pfarrer gewesen, und klagt die Gemeinde über ihn: Er sei öfters Sonnabends den ganzen Tag abwesend in Mühlhausen, versäume dadurch die Beichte und Vesper, sei dem Trunk ergeben, leichtfertig in Worten und Gebärden, zänkisch und haderhaftig, lasse die Pfarr-Äcker verderben, weil er keinen Mist habe und kein Kühe halte."

1652 bekam Menteroda eine neue Kirche aus Holz. Die Pfarre in Klein-Keula wurde von Menteroda aus mitversehen. Schulmeister und Pfarrer kamen jeden Sonntag nach Klein-Keula zum Singen gekommen. 1661erhielt auch Klein-Keula eine eigene Kirche. Der Pfarrer aus Menteroda kam auch weiterhin alle 14 Tage hierhin zur Predigt.

Pfarrer Grahe begann 1689 mit der Kirchenbuchführung. Der erste eingetragene Sterbefall betrifft das Kind Sebastian Krämer, der nur fünf Monate alt wurde. Im November 1689 wird auch die erste urkundlich nachweisbare Eheschließung in Menteroda zwischen Junggesell Johann Kieser und Anna Bertjamin verzeichnet.

Die alte Holzkirche in Menteroda mußte bald niedergerissen werden. Der Bau einer neuen evangelischen Kirche aus Stein begann 1716 mit der Grundsteinlegung. 1722 öffnete sie die Kirche ihre Pforten, die wir auch heute noch kennen. 1742 wechselte der amtierende Pfarrer Krauser nach „Ober-Mähler“. Als neuer Pfarrer kam der 42-jährige Johann Gottlieb Sterzing aus Gotha nach Menteroda. Mit ihm erschien erstmals der Name Sterzing im Ort, der bis heute noch anzutreffen ist. Pfarrer Sterzing starb am 3. Oktober 1772 im hohen Alter von 73 Jahren nach 30jähriger Amtszeit.

1774 wurde der 54jährige Friedrich Hendrich neuer Pfarrer in Menteroda. Sein fortgeschrittenes Alter und sein Gesundheitszustand ließen jedoch keine lange Amtszeit erwarten. So beantragte er auch bald in Gotha einen Substituten, für den der damals erst 23jährige Christian Adolph Sterzing ausgewählt wurde. Dieser führte praktisch bis 1795 die Amtsgeschäfte und mußte von seinem Einkommen, das für die eigene umfangreiche Familie gerade so reichte, auch noch Pfarrer Hendrich jährlich 40 Gulden quasi als Pension abgeben. 1795 starb Pfarrer Hendrich und Christian Adolph Sterzing wurde „offiziell“ Pfarrer. Er blieb im Amt bis zu seinem Tode 1828.

1829 wurde Johann Carl Adolph Christoph Reif als neuer Pfarrer in Menteroda eingeführt. Vordem war er als Hauslehrer in Keula tätig, wo er auch wohnen blieb, bis in Menteroda 1830 der Bau des neuen Pfarrhauses, welches auch heute noch besteht, abgeschlossen wurde.

Wie in allen anderen Dörfern befand sich ursprünglich der Friedhof oder, wie man ihn früher nannte, der Gottesacker, unmittelbar hinter der Kirche. In Menteroda künden noch einige wenige Kreuze zwischen den Bäumen von dieser Funktion. Viel hat sie gesehen, die alte Kirche - Freude und Leid, Liebe und Tod. Und viele Geschichten könnten ihre Mauern erzählen, wenn Steine reden könnten.

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