Menteroda

..Einheitsgemeinde Menteroda

Eine alte Kirchenrechnung Menterodas

Vor nicht allzu langer Zeit befand sich im Menteröder Pfarrarchiv eine alte Kirchenrechnung aus dem Jahre 1672. Darin wurde aus einer Zeit berichtet, die für die Geschichte des Gothaer Herzogtums, zu dem damals auch Menteroda gehörte, von entscheidender Bedeutung war.

Der Dreißigjährige Krieg ging seinem Ende entgegen. Thüringen war von den durchziehenden Kriegsparteien und durch mordende und plündernde Söldnerbanden auf das Schwerste geschädigt worden. 1640 entschieden sich die Söhne des in Weimar regierenden Herzogs Johann, nach dem Tode des Vaters das Herzogtum neu aufzuteilen. Herzog Ernst, dem Kriege nicht besonders zugetan, führte zuerst für seinen Bruder Bernhard dessen Herzogtum Franken, bekam dann selbst einige Ämter zugewiesen und begann, sein neues "Land" einzurichten.

Als Herzog Ernst I. befahl er, die Schulen und Kirchen im Land zu visitieren und wies erstmals Pfarrern und Schullehrern ein festes Gehalt zu. Sie mußten unter Beweis stellen, daß sie gelehrig und würdig waren, diese Ämter auszuführen. Der Verkauf von Ämtern, wie er in anderen Thüringer Staaten üblich war, wurde unterbunden.

1642 verfügte er den Schulbesuch für alle „Knaben und Mägdlein“ im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Der „Gothaer Schulmethodus“, in dem er dies festschrieb, gilt als die „Gründungsurkunde der deutschen Volksschule“. Neben Lesen, Schreiben und Rechnen wurden auch Singen, Heimatkunde etwas ein Fach in der Art der heutigen Sachkunde gelehrt. Auch die erwachsenen Untertanen hatten sich fortzubilden und wurden sonntags am Nachmittag in die Kirche zur Unterweisung gebeten. Wer nicht teilnahm hatte mit einer Geldstrafe zu rechnen. Es wird berichtet, daß der Herzog oft selbst am Sonntag an der Kirchentür stand und die Menschen nach den zehn Geboten fragte. Bald machte in Deutschland der Spruch die Runde, daß in Gotha die Bauern gebildeter seien, als woanders die Edelleute.

Darauf bezieht sich auch das eingangs erwähnte Rechnungsbuch für die Jahre 1671 und 1672. Geführt wurde es vom „Gemeinde-Verordneten Kirch Vater Hinrich Katzmann“. Viele der in diesem Buch genannten Namen sind auch heute noch in Menteroda vertreten. Valentin Mogk jun. zum Beispiel hatte eine Rechnung an die Gemeinde nicht vollständig bezahlen können. Hans Herting, Hans Senebald und Christoph Kieser hatten Geld von der Gemeinde geliehen und waren die Zinsen schuldig geblieben. Heinrich Schmidt, Thomas Kieser und Christoph Trescher wurden aufgefordert, Erbpacht zu entrichten.

Das umfangreiche Kapitel der „Straffen und Bußen wegen der Versäumung des Gottesdienstes oder wenn sonsten auf Sonn- und Feyerttagen was verbrochen wird“ enthält Namen von Frauen: „Elsa Hans Linßens Weib, Eva Hans Kiesers Tochter, Catharina Hans Buschens Weib“ hatten 3, 6 oder sogar 12 Gulden zu entrichten. Aber auch Zuwendungen erhielt die Kirche zu Menteroda. 6 Gulden zahlte Klaus Katzemann. Dachdecker Kurth Clauß und Ulrich Gopel aus Zaunröden zahlten 5 Gulden. Sie erhielten im gleichen Jahr „im Gegenzug“ den Auftrag, das defekte Dach der Schulscheuer zu reparieren.

Ernst I. starb 1675 im hohen Alter von 74 Jahren. Sein Lebenswerk besteht in der Errichtung eines für ganz Europa vorbildliches und lange Zeit unerreichtes Sozial- und Staatswesen, das in erster Linie seinen durch den Dreißigjährigen Krieg geschundenen Bewohnern zugute kam.

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